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songs from the wood

…ist ein altes jethro tull-album, welches ich heute um drei uhr früh am 28.12. 2013 vergeblich in meiner
ca 8 vinyl-platten umfassenden jethro tull-abteilung suchte, ganz einfach weil ich es nicht habe, nur den song
auf dem live-album danach. gerade mit horst spandler, meinem armen club-fan in nürnberg telefoniert,
und uns gemeinsam unsere nun allerallergrößte sorge von der seele geweint, dass wir in unserem leben nie
wieder all unsere alten und neuen schallplatten werden durchhören können, weil schlicht und einfach
die zeit dazu fehlt.

schallplatten sind so große schwarze scheiben, liebe kinder.
mit einem kleinen loch in der mitte.
mit ultrageilen klappcovers, wo die bilder so richtig ultrageil aussehen.
manchmal waren in den platten auch noch so sammelbildchen, fleißbildchen und wenn man ganz artig war
ein großes poster.
wenn man sie sich anhören wollte brauchte man dazu einen schallplattenspieler und eine funktionierende
anlage mit lautsprechern oder boxen.
ab und zu brauchte man eine reinigungsbürste, um die schallplatte von dem staub zu reinigen, der sich
unabänderlich auf jeder ansammelte; nur wenn man dies nur ein kleines bisschen ab und zu machte, so hörten sich die gekauften schallplatten, selbst die vom flohmarkt, eigentlich immer fast wie neu an – vorausgesetzt man erneuerte alle paar jahre die sich leider irgendwann abnutzende nadel, aber selbst nadeln bekommt man heute noch z.b. in münchen in der landwehrstr. 48 bei friedrich gleich im „tonnadelparadies“ und der kennt sich aus, liebe kinder.

irgendwann vor einigen jahren schrieb der schriftsteller klaus theweleit in seinem dicken wälzer
„buch der könige“:
„der plattenspieler spielt nicht nur ab, er nimmt auch auf – die übertragung“

„schallplatten, mehr noch als bücher, filme oder gemälde, haben sich als besondere geschichtsspeicher herausgestellt.
auf manchen mingus-platten, bei coltrane oder billie holiday, in sun ra’s heliocentric worlds, in einigen klavierkonzerten mozarts, in vielen rockstücken, auf dylan-platten, auf vielen anderen, sind bestimmte gefühle, die ich beim hören hatte, derart genau gespeichert, dass ich nicht zufrieden bin, das einfach „erinnerungen“ zu nennen. auch nicht ein hilfsmittel zur wiederbelebung.
die platten haben etwas aufgezeichnet, während sie liefen; nicht nur etwas abgespielt.
zwischen platte/tonarm/lautsprecher und aufnehmendem ohr/gefühlsstrom scheint sich eine aufnahmeapparatur gebildet zu haben zur speicherung genau dieser gefühlsströme. sie arbeitet sehr exakt. als klare wahrnehmung eigener momentaner andersartigkeit (nicht nur als „das mag ich jetzt nicht hören“), sondern als differenz zu den dort gespeicherten gefühlen, die sich klar in worte fassen lässt, z.b.: die art der sexualität, die auf „highway 61 revisited“ gespeichert ist, ist im moment nicht bzw. überhaupt nicht mehr meine – ich höre genau wie sie war……..die platte nimmt, wenn eine verbindung mit ihr da war, diese auf. wie geht das?“

es geht dann noch ein bisschen weiter, aber das eigentliche faszinierende dieses gedankengangs ist mit diesen zeilen schon ausgedrückt.

denken sie da draußen alle mal bitte da drüber vielleicht ein klein wenig nach,
vor allem dann, wenn die nacht mal wieder vom himmel fällt….
wobei theweleit in einem leider unrecht hat: höre ich jetzt highway 61 revisited“ an, ist meine sexualität genau die gleiche wie damals.
woran das nun aber wieder liegt, wird hier nicht verraten, liebe kinder.
schlaft gut. hat mir ian anderson, der einbeinige märchenonkel von jethro tull so ins ohr geflüstert bzw. gehustet mit seiner ollen querflöte. bzw. er hat gesagt, ich soll euch das genau so sagen.

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