Home » Musik » Joe Strummer Revisited

Joe Strummer Revisited

hab ja schon lang keine clash mehr gehört.

erst vor kurzem fiel mir aber wieder ein altes tape in die hände, welches unter all den anderen tapes halt so rumlag wie unbenutzte spielsachen, ungelesene bücher und verblichene fotos längst verblichener lieben. wo sind die alle hin, was ist aus ihnen geworden? ich wünsche allen viel glück und ein langes leben.

hatte joe strummer ja nur bedingt, aber das ist ja bei allen irgendwie so. wann ist denn der richtige zeitpunkt gekommen, um zu gehen? damit dass hier kein toten-blog wird, wo auch noch fritz rau meinte jetzt sei wohl der zeitpunkt gekommen, komme ich gleich auf das tape. „super black market clash“ heißt es und versammelt allerlei obskures und unveröffentlichtes aus den goldenen jahren der band, die es ja auch schon ganz lang, aber schon ganz lang nicht mehr gibt.

die musik ist aber lebendig, aktuell und zeitlos wie ein sommergewitter, ein kühles bier und ein bester freund. joe strummer wird sowieso unsterblich bleiben, the clash ebenso, nur wieso klingen all ihre aufnahmen auch 2013 im gegensatz zu vielen – sehr ehrenwerten – versuchen von all den artic monkeys bis zu franz ferdinand oder pete doherty, es ihnen irgendwie gleichzutun allesamt so bieder? stimmt ja auch nicht, vieles davon ist ja auch gut und ich liebe die musik.

so wie z.b. die von der band wheat. kenne ich nur, weil ich 1999 mit meinem freund george ein konzert von ihnen in irgendeinem schuppen in der londoner innenstadt besucht habe. nein, stimmt natürlich nicht, ich bin ja nur hingegangen, weil ich ein album der gruppe schon 1998 gekauft hatte. das konzert war sehr gut, leider aber ausgesprochen kurz. kommt davon, wenn man nach feierabend ewig lang rumtrödelt, erstmal eine flasche wein zum guten essen trinken muss und dann ungefähr 12 lieder zu spät kommt.  so drei oder vier Songs waren schon geil. aber schön blöd, wenn man dafür noch 7,50 pfund zahlt. es roch auch irgendwie nach gras in dem laden. die musik, sprich das album – weil zum professionellen konzertgehen (also ca. schon 10 stunden vor eintreffen der band am spielort sein, autogramme sammeln und darauf warten, dass ein versiffter club endlich die tür aufmacht) waren wir ja an diesem abend zu doof – gefiel mir außerordentlich gut, auch das album, hab ich aber vielleicht zweimal angehört. der fluch des plattensammlers: man hortet schätze an wie ein wahnsinniger, die nur andere wahnsinnige zu schätzen wissen und vergisst sie irgendwann in all dem trubel von zeit, alltag und dasnochtunmüssen und nurdasjanichtvergessen dürfen. der wirkliche wahnsinn eben. dagegen sind plattensammler, esoteriker, imbissbudenbesitzer und gäste schützenswerte gesellen und biotope der reinen vernunft.

schön und beruhigend ist es zu wissen, dass das gute schöne vinyl noch heute in meinem plattenschrank steht und darauf wartet, nach all den jahren endlich wieder entjungfert zu werden. ist das ein komischer satz:

„die schallplatte ist wie eine jungfrau. erst küsst sie dich, dann beisst sie dich und dann macht sie dir auch noch das abendessen.“

hm. macht zwar null sinn, kling aber gut. so wie wheat, womack & womack, wonderwall, wosindalldiemädchenhin, was ist geschehn und w wie wahnsinn. siehe oben

ist es denn wahnsinniger, 746 bob dylan-bootlegs zu besitzen oder philipp rösler zu wählen??? oder für ein neil young-konzert meinetwegen bis montreux zu fahren, weil es in der schweiz sowieso die schönsten mädels gibt oder sich das ganze leben lang zu überlegen, wie man es am langweiligsten rumbringt, sprich wie man also banker, politiker, aktionär, reaktionär, universitätsprofessor oder deutscher michel wird.

 

jaja. bald isses wieder soweit. der deutsche darf wählen. ich weiß nicht, was er sich wieder schauderhaftes, unerträgliches und kaum noch steigerbares an unvernunft leisten wird am 22. 9., aber ich weiß nur: wer im super black market clash eingekauft hat, der kann das alles nicht mehr wählen.

 

der oder sie fährt raus mit dem auto an den badeweiher, haut das tape in den rekorder und denkt sich, es sei 1979. oder von mir aus 1981. und was danach kam wissen wir ja alle. der fettsack aus oggersheim, der autofritze aus hannover und eine visage des grauens aus dem osten, die der westen nach all dem bösen, was er angestellt hat, auch wahrlich verdient hat.

und dann stellt man fest, es ist 2013, die welt ist entgegen aller voraussagen nicht untergegangen und es ist alles immer genauso lustig und beschissen, wie es halt immer war.

insofern streiche ich noch nicht die segel.

man weiß ja nie, was noch kommt. vielleicht verpasst man was.

joe strummer wäre gestern 61 jahre alt geworden.

Exif JPEG Exif JPEG

Joe_stummer_fresque Joe_Strummer_1952_PL

 

Article by

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


*